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Stiftung Umverteilen, AG Er-Fahren, TŸrkeireisen, BegegnungsstŠtte Afacan
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Über uns

 

Was wir wollen und wer wir sind

Seit etwa fünfzig Jahren leben in Deutschland viele Menschen, die aus der Türkei und aus anderen Ländern eingewandert sind, seit über zwanzig Jahren fördert unsere Arbeitsgruppe interkulturelle Jugendbegegnungen – hauptsächlich in der Türkei. Wir wollen, dass Menschen mit und ohne Migrationshintergrund miteinander leben – und zwar im lebendigen Austausch, der das Leben bereichert, auch – oder vielleicht gerade dann – wenn es Konflikte und Reibungspunkte gibt.

In Deutschland leben Kinder und Jugendliche verschiedener Herkunft häufig nebeneinander her, sind selten in der Lage, sich außerhalb von Institutionen zu begegnen. Unsicherheit und Unkenntnis sind ein Nährboden für Vorurteile. Moralische Appelle oder "trockener" Unterricht ändern daran wenig, nachhaltigen Eindruck hingegen machen persönliche Erfahrungen. Daher möchten wir Kinder und Jugendliche zur Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Lebensweisen anregen, ihre Neugier wecken, ihnen mögliche Vorurteile ins Bewusstsein rücken und ihnen dadurch einen neuen Zugang zu sich selbst und zu anderen ermöglichen.

Gemeinsame Reisen von jungen Menschen deutscher, türkischer und/oder anderer Herkunft in die Türkei bieten die Chance, Raster von Vorurteilsstrukturen aufzureißen – und zwar besonders, wenn solche Reisen sich abseits der gängigen Touristenstraßen, der Bettenburgen und Konsumtempel bewegen.

Leben und arbeiten in einem Dorf, Besuche bei Partnerschulen, in Ausbildungsstätten oder Projekten und/oder Begegnungen mit Familien von MitschülerInnen eröffnen neue Perspektiven: Verständnis durch Kenntnis, die Erweiterung des eigenen Horizonts, die Freude am Ungewohnten, Begegnung statt Abgrenzung, Neugier statt Schablonendenken. Solche Reisen helfen beim Abbau von Klischeevorstellungen, bei der Überwindung von Vorurteilen und bei der Auseinandersetzung mit der eigenen Identität. Es besteht die Chance, sich an der Gastfreundschaft, der Reichhaltigkeit der Speisen, an der Flora und Fauna, den Landschaften, Dörfern und Städten sowie den vielfältigen Zeugnissen der langen Geschichte Kleinasiens zu erfreuen. Junge Menschen lernen andere soziale Verhaltensweisen kennen und nehmen sie vielleicht sogar an, sie erfahren, wie es ist, sich in ungewohnten Situationen zurechtfinden zu lernen, wie es ist, selbst fremd zu sein – und angenommen zu werden. Zudem werden sie durch die Wahrnehmung von Armut und von unterschiedlichen moralischen, politischen und religiösen Vorstellungen zur Auseinandersetzung mit der Frage nach den globalen Zusammenhängen von Macht und Reichtum bewegt.

Die für Jugendliche so bedeutsame Frage der Identitätsfindung ist oft besonders komplex bei denen, deren Familien aus der Türkei eingewandert sind und die sich immer wieder gezwungen sehen, sich mit ihrer Herkunft auseinander zu setzen, um ihren Platz in der Gesellschaft zu finden und zu behaupten. Für diese Jugendlichen bieten solche Türkei-Reisen zum einen die Möglichkeit, ihre sogenannte "Heimat" aus einer anderen als der bisher erfahrenen, privat-familiären Perspektive kennen zu lernen, zum anderen erleben sie einen Rollentausch, der zur Steigerung ihres Selbstbewusstseins beitragen kann: Sie sind es plötzlich, die sich am besten in der Landessprache verständigen können, denen Sitten und Gebräuche nicht völlig fremd sind, sie können dolmetschen und vermitteln, können "GastgeberInnen" sein. Allerdings sind sie der Türkei oft selbst entfremdet. Als "Almancı" – "Deutschländer" – haben sie auch mit Schwierigkeiten zu kämpfen: Weil sie die Sprache nicht immer perfekt beherrschen, weil sie sich nicht unbedingt und nahtlos an die türkische Gesellschaft anpassen können oder weil sie Ressentiments erfahren.

In den neuen Bundesländern leben (noch) wenige Menschen, die oder deren Familien aus der Türkei eingewandert sind. Deswegen fördern wir aus den Ostbezirken Berlins bzw. aus den neuen Bundesländern auch Gruppen ohne TeilnehmerInnen, die aus der Türkei stammen – wenn uns das geplante Türkei-Reise Projekt überzeugt.

Wir finden es sinnvoll, wenn Gruppen aus dem "Osten" (ohne aus der Türkei stammende TeilnehmerInnen) mit Gruppen aus dem "Westen" (mit vielen aus der Türkei stammenden TeilnehmerInnen) gemeinsam Begegnungsprojekte planen und durchführen. So können auch "innerdeutsche" Vorbehalte junger Menschen Gegenstand des Begegnungsprojektes werden. Bei der Vermittlung entsprechender Kontakte können wir behilflich sein.

Seit 2004 ist bei von uns geförderten Reisen ein Aufenthalt in unserer an der Ägäis gelegenen Begegnungsstätte Afacan obligatorisch. Die Begegnungsstätte Afacan kann selbstverständlich auch von Gruppen genutzt werden, die keine Förderung von uns erhalten.
Weitere Informationen unter: www.afacan.de

In Ausnahmefällen fördern wir auch andere Formen interkultureller Jugendbegegnung in Zusammenhang mit den allgemeinen Grundsätzen von Umverteilen! Stiftung für eine, solidarische Welt.

Die Arbeitsgruppe Er-Fahren besteht aus acht Mitgliedern, fünf Frauen, drei Männern – sechs stammen aus Deutschland, zwei aus der Türkei: Heike Brandt, Gerd Henker, Ali Özkan, Maria Kammertöns, Idil Laçin, Bernhard Stolz, Gisela Böhnhardt, Friederike Terhechte-Mermeroğlu. Wir arbeiten in unterschiedlichen Berufen und haben alle Erfahrungen mit Jugend- (und anderen) Reisen in die Türkei. Unsere Arbeit ist unbezahlt und freiwillig und eigenwillig.

In den Stiftungsgremien sind vertreten:
Gerd Henker – Stiftungsrat
Bernhard Stolz – Stiftungsrat
Heike Brandt – Geschäftsführender Vorstand


Es gibt einen Flyer mit Kurz-Informationen über Programm und Förderkriterien der AG Er-Fahren. Er kann in der Stiftung bestellt werden – wir bitten um Verbreitung.