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Präambel des Stifters

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dritte Welt – Hier!

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Geldvergabe


Die Arbeitsgruppen (anfangs fünf bzw. vier) spiegelten in gewisser Weise das Spektrum der linken Bewegung der achtziger Jahre:

  • Aus der Solidarität mit der Revolution in Nikaragua und anderen Befreiungsbewegungen in Lateinamerika entstand die Arbeitsgruppe Lateinamerika.

  • Aus der Solidarität mit der Anti-Apartheid-Bewegung und anderen Befreiungsbewegungen im Süden Afrikas entstand die Arbeitsgruppe Afrika.

  • Aus dem Bedürfnis, diese (und andere) Bewegungen der damals sogenannten Dritten Welt hier bei uns politisch zu unterstützen sowie den Zusammenhang von Reichtum hier und Armut dort aufzuzeigen, entstand der Feuerwehrfonds, aus dem später die Arbeitsgruppe dritte Welt – Hier! wurde.

  • Aus dem Bedürfnis, das Zusammenleben von Einheimischen und Zugewanderten zu verbessern, organisierten engagierte Eltern einer Kreuzberger Gesamtschule (40% der SchülerInnen stammten aus der Türkei) gemeinsame Reisen in die Türkei. Aus diesem Kreis bildete sich die Arbeitsgruppe Arbeitsgruppe Er-Fahren.

  • Von Mitgliedern kollektiver Betriebe kam die Idee, mit Stiftungsgeldern alternative Betriebs- und Produktionsstrukturen zu entwickeln und zu unterstützen. So entstand die Arbeitsgruppe Belegschaftsbetriebe, die sich aber nach einem halben Jahr auflöste. Diese Art der Geldvergabe wäre mit den Anforderungen der Gemeinnützigkeit nicht zu vereinbaren gewesen.

  • Kurz nach Gründung der Stiftung wurden auf Initiative von Stiftungsmitgliedern die Arbeitsgruppe Asien und die Arbeitsgruppe Frauen gegründet (beide 1988).


Die politischen Veränderungen, die wenige Jahre nach Gründung der Stiftung einsetzten, also der Wegfall der Blöcke, der Fall des südafrikanischen Apartheid-Systems, der verstärkte Neoliberalismus, die zunehmende Ausgrenzung der EinwanderInnen, die Öffnung der Mauer wirkten sich auch auf die Arbeitsgruppen aus, die umdenken und sich neu orientieren mussten.

Mehrere Jahre lang gab es Forderungen nach Gründung einer Arbeitsgruppe Osteuropa und einer Arbeitsgruppe Nahost. Aber letztlich wurde entschieden, es bei sechs Arbeitsgruppen zu belassen, da sonst jede Gruppe so wenig Geld zu Verfügung hätte, dass der Aufwand sich nicht mehr lohnen würde.


Arbeitsgruppenübergreifende Projekte


In den ersten Jahren nach der Stiftungsgründung bewegte sich viel. Für viele, die sich in der Stiftung engagierten, ergab sich zum ersten Mal die Möglichkeit, Projekte durchführen zu können, die sie ohne Stiftungsgelder nie hätten machen können. So beschränkten wir uns nicht nur darauf, Anträge anderer zu bearbeiten, sondern wurden selbst initiativ.

In den ersten fünf Jahren wurden drei Großprojekte gestartet, die von allen Arbeitsgruppen finanziert und von jeweils einer betreut wurden:

  • Kurdistan Press (1987-1989): Eine zweiwöchig im Stockholmer Exil erscheinende überparteiliche Kultur-Zeitschrift auf kurdisch und türkisch, unterstützt vom schwedischen Kulturministerium (AG dritte Welt – Hier!) 150.000 €

  • Niembaum (1987-1995): Unterstützung einer Kooperative in Nikaragua, die ökologischen Pflanzenschutz entwickelte (AG Lateinamerika) 585.888 €

  • Begegnungsstätte (ab 1990 geplant, seit 2004 in Betrieb): Afacan, ein Ort für interkulturelle Begegnungen junger Menschen in der Türkei (AG Er-Fahren) 1.022.000 €


Außerdem wurden zu besonderen politischen Anlässen ad-hoc Gruppen eingerichtet, die einen eigenen Etat bekamen. Sie bestanden aus Mitgliedern verschiedener AGs, die für bestimmte, mit unserem Stiftungszweck zu vereinbarende Aktionen schnell und unbürokratisch Geldmittel zur Verfügung stellten:


  • 1988 ad-hoc Gruppe IWF: gegründet aus Anlass der Sitzung des Internationalen Währungsfonds in Berlin, Ausgaben 25.000 €

  • 1991 Sonderfonds Golfkrieg: verwaltet von AG dritte Welt – Hier! und AG Er-Fahren, Ausgaben etwas mehr als 120.000 €

  • 1992 bis 1996 ad-hoc Gruppe Anti-Rassismus: gegründet aus Anlass der Brandanschläge in Rostock-Lichtenhagen und Mölln, Ausgaben insgesamt ca. 300.000 €

  • 2003 ad-hoc Gruppe Anti-Irakkrieg: Gegründet aus Anlass des Irak-Krieges 2003, Ausgaben 10.000 €

  • 2007 ad-hoc Gruppe G8: gegründet aus Anlass des G8 Treffens in Heiligendamm, Ausgaben 28.000 €



Verteilung der Gelder an die Arbeitsgruppen (Stiftungsrat)


Die Autonomie der Arbeitsgruppen bei der Geldvergabe war uns wichtig. Trotzdem sollten die AGs untereinander vernetzt sein, sollten sich untereinander austauschen, sich unterstützen, sich kritisieren, sich einer Außensicht aussetzen. Und sie sollten gemeinsam entscheiden, wie das Geld auf die Gruppen verteilt wird, welche Schwerpunkte gesetzt werden sollten. Dazu wurde das Gremium Stiftungsrat geschaffen, in dem jede Arbeitsgruppe vertreten ist. Der Vorstand weist die zu vergebenden Mittel dem Stiftungsrat zu, der sie wiederum an die einzelnen AGs verteilt.

Leider hat die Vernetzung der Arbeitsgruppen nicht ganz so geklappt, wie wir uns das vorgestellt hatten – sicher auch ein strukturelles Problem der Stiftung, das wir damals nicht gesehen haben. Der Stiftungsrat hat zwar anfangs Schwerpunkte gesetzt (Großprojekte, ad-hoc Gruppen), aber eine kritische Auseinandersetzung über die Arbeit der AGs wurde kaum geführt – die Gruppen waren sehr unterschiedlich und hatten genug mit sich selbst zu tun. Die bereitgestellten Mittel wurden so gut wie immer einfach durch die Zahl der Arbeitsgruppen geteilt. Da aber nicht alle Gruppen immer einen gleich hohen Bedarf hatten, wurden in manchen AGs über Jahre große Summen von einem Haushaltsjahr ins nächste transferiert, während andere einen höheren Bedarf hatten. Das wurde im Jahr 2003 geändert. Seitdem geben die Arbeitsgruppen gegen Ende des Jahres nicht verbrauchte oder nicht verplante Gelder in den Topf zurück, der im nächsten Jahr zur Verteilung ansteht.




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